Es beginnt meist mit dem positiven Test, dem ersten Ultraschallbild oder dem Exposé für das Traumhaus. Innerhalb weniger Jahre ändert sich für junge Familien alles: Das Einkommen sinkt oft, weil ein Elternteil in Elternzeit geht, während die Ausgaben steigen. Dazu kommen Kredite, Versicherungen und Karriereentscheidungen, die man selten in Ruhe treffen kann. Kein Wunder, dass dabei Fehler passieren. Die häufigsten stellen wir hier vor, damit du sie vermeiden kannst.
1. Das Haus wird zu groß und zu teuer gekauft
Der Wunsch nach dem Eigenheim ist verständlich. Viele Familien rechnen aber mit dem Einkommen von heute, nicht mit dem von morgen. Eine Bank finanziert dir oft mehr, als du langfristig tragen kannst, und die Bank prüft deine Kreditwürdigkeit, nicht deine Lebensqualität.
Plane die Rate deshalb so, dass sie auch bei reduziertem Einkommen tragbar bleibt, zum Beispiel wenn ein Elternteil in Teilzeit geht oder ein zweites Kind kommt. Als grobe Orientierung sollte die monatliche Belastung nicht deutlich über einem Drittel des Nettoeinkommens liegen. Rechne zudem mit den Kaufnebenkosten von 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, gegebenenfalls Makler) und mit laufenden Kosten für Instandhaltung. Als Faustregel werden oft ein bis zwei Prozent des Immobilienwerts pro Jahr genannt.
2. Zu niedrige Tilgung und ungeplante Zinsbindung
Eine niedrige Anfangstilgung senkt die Rate, verlängert aber die Laufzeit und die Zinskosten erheblich. Noch riskanter ist es, die Anschlussfinanzierung nicht mitzudenken. Läuft die Zinsbindung nach zehn Jahren aus, kann der Zins deutlich höher liegen als beim Abschluss. Wer dann noch eine hohe Restschuld hat, gerät schnell unter Druck.
Sinnvoll sind eine Tilgung von mindestens zwei bis drei Prozent, eine Zinsbindung, die zu deiner Lebensplanung passt, und vertraglich vereinbarte Sondertilgungsmöglichkeiten. So kannst du bei einer Gehaltserhöhung oder einer Erbschaft flexibel reagieren.
3. Kein Notgroschen, weil alles im Haus steckt
Ein Klassiker: Das gesamte Ersparte fließt in Eigenkapital, und am Ende bleibt nichts für den Ernstfall. Dann reicht eine kaputte Heizung, eine Waschmaschine oder ein Autoschaden, um das Konto ins Minus zu treiben und teure Dispozinsen zu zahlen.
Lege eine Reserve von drei bis sechs Nettomonatsgehältern an, für Familien mit nur einem Einkommen eher mehr. Dieses Geld gehört auf ein Tagesgeldkonto und nicht in Aktien oder Fonds, denn es muss jederzeit verfügbar sein.
4. Die Absicherung der Familie wird vernachlässigt
Wer Kinder hat, trägt Verantwortung, und das sollte sich in der Absicherung widerspiegeln. Gerade junge Familien sparen hier aber oft an der falschen Stelle. Besonders wichtig sind:
- Berufsunfähigkeitsversicherung: Sie sichert dein Einkommen, wenn du deinen Beruf gesundheitlich nicht mehr ausüben kannst. Je jünger und gesünder du beim Abschluss bist, desto günstiger ist sie.
- Risikolebensversicherung: Sie schützt die Hinterbliebenen und ist besonders wichtig, wenn ein gemeinsamer Immobilienkredit läuft.
- Private Haftpflichtversicherung: Sie ist günstig und deckt Schäden ab, die Kinder verursachen. Achte auf eine Klausel für deliktunfähige Kinder.
- Wohngebäudeversicherung: Für Eigentümer ist sie Pflicht, sobald ein Kredit läuft, und sollte auch Elementarschäden abdecken.
Verzichten kannst du dagegen oft auf Kleinkram wie Handyversicherungen oder Restschuldversicherungen, die teuer und selten nützlich sind.
5. Die Karriere- und Rentenfolgen der Elternzeit werden unterschätzt
Das ist einer der teuersten Fehler und trifft in der Praxis häufiger Frauen als Männer. Wer für Kinder länger aussetzt oder dauerhaft in Teilzeit arbeitet, verzichtet nicht nur auf Gehalt heute, sondern auch auf Rentenansprüche, Gehaltssprünge und Aufstiegschancen. Die Lücke wächst über Jahrzehnte und zeigt sich oft erst im Alter oder nach einer Trennung.
Sprecht deshalb früh und offen darüber, wie ihr Sorgearbeit und Erwerbsarbeit fair verteilt. Prüft, ob sich Elternzeit und Elterngeld sinnvoll aufteilen lassen. Fragt euch außerdem, wie der Elternteil, der beruflich kürzertritt, finanziell abgesichert wird, etwa durch eigene Altersvorsorge, die der andere Partner mitfinanziert. Ehe- und Partnerschaftsverträge klingen unromantisch, schaffen aber Klarheit.
6. Die Steuerklassen werden nicht bewusst gewählt
Viele Paare wählen die Steuerklassenkombination einmal und denken nie wieder darüber nach. Dabei beeinflusst sie das Nettogehalt und damit auch Lohnersatzleistungen wie das Elterngeld, das sich am durchschnittlichen Netto der letzten zwölf Monate vor der Geburt orientiert. Ein rechtzeitiger Wechsel kann sich lohnen. Beachtet dabei die geltenden Fristen und Regeln, da sich diese ändern können. Ein Blick auf die aktuellen Informationen der Finanzverwaltung oder eine Steuerberatung lohnt sich.
7. Es wird gar nicht oder zu spät fürs Kind gespart
Kindergeld ist ein Geschenk, das viele einfach im Haushaltsbudget versickern lassen. Wer einen Teil davon langfristig anlegt, kann für Führerschein, Studium oder den Start ins Berufsleben ein solides Polster aufbauen. Bei einem langen Zeithorizont von 15 bis 18 Jahren kommen zum Beispiel breit gestreute ETF-Sparpläne infrage. Diese sind aber mit Kursschwankungen verbunden und keine Garantie. Wichtig ist, dass das Geld nicht für kurzfristige Ziele gebraucht wird.
8. Testament, Vollmachten und Sorgerecht bleiben ungeregelt
Niemand denkt gern daran, aber junge Eltern sollten für den Ernstfall vorsorgen. Ohne Testament greift die gesetzliche Erbfolge, und die kann für Familien mit Immobilie zu unerwünschten Ergebnissen führen, etwa wenn Kinder erben und Vormünder oder Gerichte mitentscheiden. Haltet schriftlich fest, wer sich um eure Kinder kümmern soll, und regelt Vorsorgevollmachten. Bei Immobilien lohnt sich eine notarielle Beratung.
9. Kein Überblick über das Haushaltsbudget
Mit Kindern verschwimmen die Ausgaben: Kleidung, Betreuung, Freizeit, Auto, Urlaub. Viele Familien wissen am Monatsende nicht, wohin das Geld geflossen ist. Ein einfaches Haushaltsbuch oder eine Budget-App für zwei bis drei Monate bringt oft überraschende Erkenntnisse. Praktisch ist ein System mit festen Konten: Ein gemeinsames Konto für Fixkosten, ein Sparkonto für Rücklagen und ein persönlicher Topf für jeden Partner. So bleibt Geld für Individualität, ohne dass das Gemeinsame leidet.
Fazit: Gemeinsam planen statt auf Sicht fahren
Die meisten finanziellen Fehler junger Familien entstehen nicht aus Leichtsinn, sondern aus Zeitmangel und Optimismus. Man hofft, dass es schon irgendwie klappt. Wer stattdessen Puffer einplant, sich absichert und regelmäßig gemeinsam über Geld spricht, gewinnt vor allem eines: Ruhe.
Nimm dir einmal im Jahr mit deinem Partner oder deiner Partnerin einen Abend Zeit für einen Familien-Finanzcheck. Prüft Budget, Versicherungen, Rücklagen und Ziele. Das kostet nichts und verhindert vieles.
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