Der Herbst ist da, und irgendwo zwischen Kürbissuppe und ersten Lebkuchen im Supermarkt naht das Jahresende. Für viele ist das die Zeit, in der der Kalender voll wird und die Finanzen aus dem Blick geraten. Dabei lohnt sich gerade jetzt ein prüfender Blick auf dein Geld. Manche Vorteile verfallen zum 31. Dezember, andere kannst du nur nutzen, wenn du rechtzeitig handelst.
Hier sind die Chancen, die du nicht verschenken solltest.
1. Der Sparerpauschbetrag: Kapitalerträge steuerfrei einstreichen
Für Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne gilt in Deutschland ein Sparerpauschbetrag. Aktuell liegt er bei 1.000 Euro pro Person, bei zusammenveranlagten Ehepaaren bei 2.000 Euro. Bis zu dieser Grenze bleiben deine Erträge steuerfrei.
Wichtig ist der Freistellungsauftrag bei deiner Bank oder deinem Broker. Ohne ihn behält die Bank automatisch Abgeltungsteuer ein, obwohl du den Freibetrag vielleicht gar nicht ausgeschöpft hast. Prüfe deshalb, ob dein Auftrag noch aktuell ist und ob die Summe sinnvoll auf mehrere Institute verteilt ist. Hast du zu viel Steuer gezahlt, kannst du dir das Geld über die Steuererklärung zurückholen. Am einfachsten ist es aber, wenn du es gar nicht so weit kommen lässt.
2. Verlustverrechnung und Gewinnmitnahme prüfen
Wer Wertpapiere besitzt, sollte vor Jahresende einen Blick ins Depot werfen. Realisierte Verluste kannst du mit realisierten Gewinnen verrechnen, was deine Steuerlast senkt. Manche Anleger nehmen außerdem gezielt Gewinne mit, um den Sparerpauschbetrag zu nutzen, und kaufen die Papiere anschließend wieder ein. So steigt der Einstandskurs, und künftige Gewinne fallen niedriger aus.
Ob sich das lohnt, hängt von deiner Situation ab. Bedenke Transaktionskosten und dass du nicht allein aus steuerlichen Gründen handeln solltest. Wenn du unsicher bist, hilft ein Gespräch mit einer Steuerberatung oder einer unabhängigen Finanzberatung.
3. Werbungskosten und Belege sammeln
Viele Arbeitnehmer lassen bares Geld liegen, weil sie ihre Werbungskosten nicht vollständig geltend machen. Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag liegt derzeit bei 1.230 Euro. Nur wenn deine tatsächlichen Kosten darüber liegen, lohnt sich der Einzelnachweis. Dazu zählen zum Beispiel:
- Fahrtkosten zur Arbeit (Entfernungspauschale)
- Arbeitsmittel wie Laptop, Bürostuhl oder Fachliteratur
- Fortbildungen und Weiterbildungskosten
- Kontoführungsgebühren und Bewerbungskosten
- Kosten für das Homeoffice (Tagespauschale oder Arbeitszimmer, je nach Voraussetzungen)
Tipp: Kaufst du ohnehin noch etwas Berufliches, etwa einen neuen Monitor, kann es sich lohnen, das noch im laufenden Jahr zu tun. Maßgeblich ist meist das Jahr der Zahlung.
4. Sonderausgaben und Vorsorge rechtzeitig einzahlen
Auch Vorsorgebeiträge kannst du steuerlich geltend machen, sofern sie bis Jahresende gezahlt sind. Dazu zählen Beiträge zur Basisrente (Rürup), bei der ein Teil der Einzahlungen als Sonderausgaben absetzbar ist. Der Höchstbetrag orientiert sich am jeweils geltenden Wert der knappschaftlichen Beitragsbemessung. Für Selbstständige und gut Verdienende kann das ein wirksamer Hebel sein.
Auch Spenden an gemeinnützige Organisationen und Mitgliedsbeiträge an Parteien sind teilweise absetzbar. Wichtig ist, dass du die Zuwendungsbestätigung aufbewahrst. Gerade zur Weihnachtszeit spenden viele Menschen, dann lohnt es sich, den Beleg direkt abzuheften.
5. Betriebliche Altersvorsorge und Arbeitgeberleistungen nutzen
Frage bei deinem Arbeitgeber nach, welche Extras du bis Jahresende ausschöpfen kannst. Bei der betrieblichen Altersvorsorge sparen Beiträge oft Steuern und Sozialabgaben, und viele Arbeitgeber legen einen Zuschuss obendrauf. Das ist Geld, das du sonst verschenkst.
Manche Unternehmen bieten zudem Sachbezüge, Jobtickets, Zuschüsse zur Kinderbetreuung oder vermögenswirksame Leistungen an. Bei vermögenswirksamen Leistungen kannst du je nach Einkommen zusätzlich die Arbeitnehmersparzulage erhalten. Ein kurzes Gespräch mit der Personalabteilung kann sich also lohnen.
6. Freibeträge und Pauschalen bei Familien
Wenn du Kinder hast, gibt es weitere Möglichkeiten. Kinderbetreuungskosten kannst du zu einem Teil als Sonderausgaben absetzen. Denke daran, Rechnungen zu sammeln und Zahlungen per Überweisung zu leisten, denn Barzahlungen werden nicht anerkannt. Auch Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen sind steuerlich begünstigt: Ein Teil der Arbeitskosten mindert direkt deine Steuerschuld. Steht noch eine Reparatur am Haus oder in der Wohnung an, kann es sich lohnen, die Rechnung noch in diesem Jahr zu begleichen.
7. Verträge und Abos ausmisten
Jetzt ist ein guter Moment für eine Inventur deiner Fixkosten. Viele Kündigungsfristen für Versicherungen enden zum 30. November, für einen Wechsel zum Jahreswechsel. Vergleiche vor allem:
- Kfz-Versicherung (Wechseltermin meist 30. November)
- Strom- und Gasanbieter
- Internet- und Mobilfunktarife
- Streaming-Dienste, Fitnessstudios und Zeitschriften-Abos
Schon ein paar Minuten Vergleich können dich im Jahr mehrere hundert Euro kosten oder eben sparen. Prüfe außerdem, ob du Doppelversicherungen oder Verträge hast, die nicht mehr zu deiner Lebenssituation passen.
8. Notgroschen und Sparziele überprüfen
Zum Jahresende ist auch ein guter Zeitpunkt, um deinen finanziellen Zustand ehrlich zu bewerten. Hast du einen Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben? Liegt dein Geld auf einem Konto mit sinnvollen Zinsen oder hat es jahrelang unbeachtet auf dem Girokonto gelegen? Ein Wechsel zu einem Tagesgeldkonto mit besseren Konditionen kostet kaum Aufwand.
Lege dir außerdem für das kommende Jahr konkrete Sparziele fest. Ein Dauerauftrag am Monatsanfang, der automatisch auf Sparkonto oder Depot läuft, macht das Sparen fast mühelos. Was du nicht auf dem Girokonto siehst, gibst du seltener aus.
9. Weihnachtsbudget realistisch planen
Kaum etwas bringt die Finanzen im Dezember so durcheinander wie ungeplante Ausgaben für Geschenke, Reisen und Feiern. Setze dir ein festes Budget und verteile es auf die Personen, die du beschenken möchtest. Schreibe die Ideen frühzeitig auf, damit du nicht kurz vor Weihnachten hektisch teuer kaufst. So startest du nicht mit einem Minus ins neue Jahr.
10. Steuerunterlagen früh sortieren
Wer im Januar bereits alle Belege beisammen hat, spart später Zeit und Nerven. Lege dir einen Ordner an, digital oder analog, und sammle laufend Rechnungen, Bescheinigungen und Nachweise. Nutze die ruhigen Tage zwischen den Jahren, um die wichtigsten Dokumente zu sortieren. Dann ist die Steuererklärung im neuen Jahr keine Belastung mehr, sondern eine Rückerstattung, auf die du dich freuen kannst.
Fazit: Kleine Schritte, große Wirkung
Der Jahresendspurt für deine Finanzen muss weder kompliziert noch zeitaufwendig sein. Es reicht, wenn du dir einen Abend Zeit nimmst, dein Depot, deine Verträge und deine Belege durchgehst und die wichtigsten Fristen im Kalender markierst. Viele der Vorteile kosten dich nichts, verfallen aber unwiderruflich, wenn du sie nicht rechtzeitig nutzt.
Fang am besten noch heute an: Öffne deinen Kalender, trage dir zwei Termine ein, einen für den Finanzcheck und einen für die Belegsortierung, und schon bist du dem neuen Jahr einen Schritt voraus.
Falls du Fragen hast oder Hilfe brauchst Überblick über deine Finanzen zu bekommen, melde dich gerne bei uns und wir unterstützen dich mit einer kostenlosen und unabhängigen Beratung für einen guten Start ins kommende Jahr.



